Dienstag, 19. Juli 2016

Raceday in Roth - Vereinsrekord auf der Langdistanz durch Jonas Kiefer ?!

Ich denke es ist nicht nötig große Worte über das Rennen in Roth zu verlieren. Eine geringfügig verkürzte Ironmandistanz mit Kultcharakter. Der Solarer Berg, tausende von Fans und eine einzigartige Stimmung sorgen dafür dass Rennen Jahr für Jahr zum Publikumsliebling gewählt wird. Dieses Jahr waren vier Starter des TSSH am Start.



Peter und Gabi Joecken, Jonas Kiefer und Arno Kewerkopf gingen an den Start bei bestem Wetter und hervorragenden Bedingungen.

Anstatt nun mir einen Bericht aus den Fingern zu ziehen, lasse ich die Athleten lieber anschließend selbst ihre Rennen schildern.

Ein paar Anmerkungen vorweg: Peter hat natürlich direkt am nächsten Morgen Schlange gestanden, um sich für 2017, seine 24. Teilnahme anzumelden.

Gabi Joecken finishte in 13:51:07,Arno in 12:25. Peter wurde vierter in seiner AK mit einer Zeit von 10:54.  Zudem waren die ehemaligen TSSH-Athleten Uwe Birk und Nico Oppermann, die jedoch beide beruflich aus dem Saarland weggingen und deshalb nun für andere Vereine starten. Uwe finishte in 12:43, Nico zeigte einen soliden Wettkampf und kam nach 10:54 ins Ziel.

Ein anderer ehemaliger hatte währenddessen keinerlei Konkurrenz und führte ein einsames Rennen gegen die Uhr. Weltrekord in 7:35h für Jan Frodeno.
Der vereinsinterne Rekord scheint auch pulverisiert worden zu sein:
Jonas finishte in 9:01 und wurde gesamt 40. Ohne die Vereinsarchive zu wälzen, liegt die Vermutung nahe, dass noch kein Tri-Sportler schneller auf der Langdistanz war. Sollte dem nicht so sein, bitte ich um Kommentare ;)

Vorweg der Bericht von Jonas (etwas länger, aber ich denke bei der Leistung hat er sich das auch verdient)



Ein fast perfekter Tag - Meine Aufführung bei der Challenge Roth.

Am Sonntag früh um 04:00 Uhr klingelte der Wecker und der Tag der Wahrheit war da. Ein komisches Gefühl aus dem Bett aufzustehen. Viel zu früh und viel zu müde für einen Triahlon über die Langdistanz. Geschlafen hatte ich nämlich nicht. Zu groß war die Anspannung. Nach einer kalten Dusche und einem kleinen Frühstück wurden die Beutel ein letztes mal gecheckt, ehe es dann zum Schwimmstart an den Main-Donau Kanal ging. Mein Bike wurde bereits am Vortag in einer Top Position geparkt und so war die Suche nicht sonderlich schwer. Einmal den Luftdruck checken, die Kette mit einem kleinem Ölfilm versehen, alles bis ins Detail geplant. Um Zeit zu sparen, fragte ich einen WK-Richter, ob ich meinen Helm in den Radbeutel packen dürfte - Kein Problem. Später stellte sich heraus, das es vielleicht doch eins war.
Noch ein letzter Gang zur Toilette ehe man sich den Neo überstreift und sich von Angehörigen, Freunden etc. verabschiedet. Die Schritte in den Startbereich lassen die Anspannung bis ins Unermessliche steigen. Ein kleines Warm-Up und der Gang ins Wasser bringen den Körper in Wettkampfstimmung.
Nach einem kurzem Einschwimmen sortierte ich mich in die dritte Reihe der ersten Startgruppe. Vor mir konnte ich Nils Frommhold an der Startnummer 1 erkennen. Dann ein lauter Knall und die Challenge Roth, mein geplantes Meisterstück, ist gestartet.


Der erste Akt - Schwimmen:
Die ersten 1000m sind eine Mischung aus Kampfsport und Schwimmsport. Nach einigen Kopf- und Körpertreffern wurde es aber zunehmend ruhiger. Die erste Boje war geschafft und das Tempo war gefühlt ok. Auf dem Rückweg hatte ich ausreichend Platz und konnte mich an ein paar Füße hängen. Dort blieb ich auch bis zum zweiten Wendepunkt, dann zog ich vorbei um mich ggf. etwas zu revanchieren. Am Ausstieg wurde ich von einem Helfer gepackt und aufgerichtet. Die Zuschauer peitschen einen an. Was ein Publikum, was für eine Bühne! Die 3,8km wurden laut Garminuhr in etwa 55min absolviert, was 100% von dem ist, was ich erhofft habe.


Der zweite Akt - Wechselzone 1:
Im Eiltempo gings zum Wechselzelt, dabei entledigte ich mich schon halbwegs von dem Neoprenanzug. Ein kurzer Griff zum Bikebeutel und ab ins Zelt. Dort wurde man bereits von unzähligen Helfern erwartet. An den Füßen wollte der Neo nicht so recht, was wohl am Chipband der Zeitmessung lag. Nur wenige Sekunden, aber Überstunden zahlen sich hier nicht aus. Schnell die Startnummer um die Hüfte und mit dem Helm in der Hand gings Richtung Rad. Auf einmal ein Pfiff und eine Wettkampfrichterin sprang mir in den Weg. Eine Verwarnung mit gelber Karte und Notierung meiner Startnummer, weil mein Helm nicht am Rad war. Ich wollte schon diskutieren, aber die Zeit arbeitet gegen mich. Nach gefühlt 1min hatte die Dame meine Nummer in ihrem Block notiert. Dies sollte allerdings keine weiteren Konsequenzen nach sich ziehen. Am Rad kämpfte ich kurz mit dem Helmverschluss und dann ging es endlich auf die 180km lange Radtour.




Der dritte Akt - Radfahren:
Nach kurzem Beschleunigen und anziehen der Radschuhe ging es in die geliebte Aeroposition. Direkt zum Start fiel mein Wattmesser aus. Pulsgurt trage ich keinen, was bei einem solchen Rennen in etwa einer Reise mit dem Auto ohne Tankanzeige gleicht. Schon nach kurzer Zeit flogen ein paar männliche Athleten an mir vorbei, wobei ich zeitgleich ein paar andere überholte. Nach ein paar Minuten war ich nun für mich und fuhr erstmal auf Gefühl, versuchte mich zu verpflegen und meinen Rhythmus zu finden. Die kleinen Orte mit ihren Stimmungsnestern waren atemberaubend. An den Anstiegen musste man wirklich aufpassen, nicht alles aus dem Tank zu verschiessen. Nach gut 80km ist es dann soweit - der Solarer Berg. Ein Meer aus ca. 125.000 Zuschauern (gefühlt 1.000.000) bildet eine Gasse und pusht die Athleten mit ohrenbetäubenden Lärm nach oben. Hier fand ich auch Anschluss an zwei weitere Athleten die in etwa mein Tempo fuhren. So fuhr man dann in gebührenden Abstand in die zweite Runde. Hier wurde es langsam voller auf der Radstrecke. Durch die Staffelfahrer und später gestarteten Athleten wurde das Rennen unruhiger. Viele Überholmanöver galt es zu absolvieren. Am zweiten Anstieg nach Greding verlor ich den Kontakt zu diesen und hatte mein erstes kleines Tief zu bewältigen. Zum Glück ging es mir nach der Abfahrt besser und ich konnte wieder mit dem gewohnten Druck arbeiten. Kurz vor dem zweiten Wechsel konnte ich sogar den Kontakt zu den anderen wieder herstellen, wobei diese ebenfalls auf ein paar Athleten aufgefahren sind.
Nach 180km in 4:53h (Schnitt 36,7kmh) übergab ich mein Rad an einen Helfer und jagte in die zweite Wechselzone.


Der vierte Akt - Wechselzone 2:
Nachdem ich bereits mein Rad in vertrauenswürdige Hände übergab wurde mir ein Beutel mit meiner Startnummer gereicht. Im Zelt ging alles sehr schnell. Socken an, Schuhe an, Helm aus, Mütze auf den Kopf, Gel und Brille in die Hand und erstmal aufs Dixiklo. Das erst beste war noch mit unzähligen Klopapierrollen gefüllt, sodass ich nicht wirklich drin stehen konnte. Irgendwie gelang es mir trotzdem, meine Notdurft zu verrichten. Ab nun, wusste ich, beginnt das Rennen und ich nahm noch einen tiefen letzten ruhigen Atemzug.




Der fünfte Akt - Laufen:
Auf der Laufstrecke bremste ich mich zunächst um nicht gleich zu beginn des Marathons an Krämpfen zu leiden. An der Lände nach 5km sah ich viele bekannte Gesichter und fühlte mich großartig. Mein Vater rief mir noch zu, das ich voll im Zeitplan bin. So lief es auch ziemlich lange. Mit einem Kanadier an meiner Seite ging es nach Schwanstetten, dem ersten Ort bei KM 12. Hier musste dieser abreißen lassen und ich merkte langsam die Belastung. Nur kurze Zeit später wusste ich, das ich nochmal zur Toilette muss, um mich von unnötigem Ballast in der Magengegend zu verabschieden. Ein kurzer Boxenstop und die Maske für das Finale war aufgetragen. Meine Gedanken drifteten langsam ab, die Umgebung wurde nur noch halbwegs wahrgenommen. Nach dem Halbmarathon rief mein Vater mir zu, dass ich noch ein bisschen zulegen muss. Wie ein Boxer in der zehnten Runde kämpfte ich mich also auf zweite Hälfte des Marathons. Von Krämpfen in den Oberschenkeln geplagt biss ich auf die Zähne und versuchte mich an die vielen harten Einheiten des vergangenen Jahres zu erinnern. Um Nahrung aufzunehmen war die Strategie ab nun, so schnell laufen, wie es geht und an den Verpflegungsstellen - Gehen und Versorgen. Die Laufabschnitte waren hierdurch zwar schneller als vorher, aber die Gehpausen halfen die Krämpfe zu kontrollieren und den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren. Nach Eckersmühlen geht es "nur" noch 12km zurück nach Roth. Das bedeutet weniger als eine Stunde Leiden. Das sollte doch machbar sein. Die Zuschauer riefen und klatschten; verstehen, was sie mir mitteilen wollen, ging schon lange nicht mehr. Ein letztes Mal an der Lände vorbei und dann gehts Richtung Roth und Zielbereich. Es fiel mir schwer den entgegenkommenden Läufern auszuweichen. Ich war völlig fertig und taumelte. Viel konnte ich nicht mehr einstecken. Auf den letzten 2 Kilometern noch ein kleiner Anstieg, ein paar Bonuskrämpfe und dann Richtung Zielkanal.




Der sechste Akt - Der Höhepunkt:
Auf dem Teppich konnte ich den Torbogen erkennen - 8:59h - ist es möglich... Leider nein, nicht für mich, nicht heute. Wie ein Schlag ins Gesicht sprang die Uhr auf 9:00h um. Sämtlicher Schmerz, sämtliche Freude, all die Arbeit und knapp gescheitert. Auf dem Teppich joggte ich nun gemütlich Richtung Ziel, nahm einen Blumenstrauß entgegen, verneigte mich vor dem Ziel vor einem tollem Publikum und ging ins Ziel.
Der Marathon war mit einer Zeit von 3:07h zufriedenstellend, die Endzeit zeigte 9:01:18h.

Die ein oder andere Träne konnte ich mir im Ziel nicht verkneifen. Vielen Dank für alle Glückwünsche und aufbauenden Worte. Auch wenn es für den ein oder anderen unverständlich ist, mit einer solchen Leistung nicht 100% zufrieden zu sein. Wer mich kennt, weiß, wie groß mein Ehrgeiz ist. Ein paar kleine Fehler haben mich den Traum gekostet. Nun weiß ich allerdings, das ich es eines Tages schaffen kann, eine Langdistanz unter 9h zu absolvieren. So ehrlich und hart ist nur der Sport. Nun heißt es ein paar Tage die Füße hochlegen und dann gehts mit Volldampf Richtung Australien zur Ironman 70.3 WM.

Das Kapitel Langdistanz ist noch nicht beendet, Train On!





Hier der Bericht von Peter:

Wie immer kurzer Rennbericht aus Roth. Platz 4 (silberne Zitrone :-)) in meiner AK, aber voll in meinem Plan das Rennen absolviert. Ich hatte bereits auf Lanzarote mein Rennen bis zum Laufen nach Pulsvorgaben eingeteilt und daher in Roth beim Radfahren schon den Puls nicht über 120 gehen lassen. Am Ende stand eine 5:29, was für meine Verhältnisse eine Durchschnittszeit ist und gemessen an meinem Vermögen sicherlich 15 Minuten zu "langsam", aber ich habe es dann beim Laufen wieder zurück bekommen. Der erste Kilometer tat noch weh beim Laufen, aber ich merkte bereits hier, dass sich mein Lauftraining gelohnt hat. Die Durchlaufzeit beim Halbmarathon war dann noch um die 2:10 und ich nahm mir vor, nun alle Pulsvorgaben über Bord zu werfen und der zweite Halbmarathon lief dann mit 1:50 wie geschmiert und das Laufen hat mir richtig Spaß gemacht. Am Ende stand die 4:00 und mit der Schwimmzeit von 1:15 addiert, wurde es eine für mich sehr schöne 10:54. 7 Wochen nach Lanzarote hatte ich diese Zeit eigentlich gewünscht, aber nicht unbedingt erwartet. Aber das nehme ich gerne und nun lassen wir die Saison noch etwas ausklingen... Fazit: In meinem Alter und mit der Erfahrung vieler Rennen lohnt sich die Einteilung nach dem eigenen Vermögen. Es nutzt wenig, sich auf dem Rad schon zu verballern und beim Laufen dann nichts mehr zugeben zu können. Ich danke allen meinen Supportern, die mir Mut gemacht haben auf der Laufstrecke. Ihr wart fantastisch!!!! DANKE, DANKE, DANKE

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